MRMCD 2026

Warum „Digitale Souveränität“ auch bei Nationalisten so beliebt ist
2026-09-11 , Maschinenraum - C110
Language: Deutsch

Seit über 10 Jahren geistert „Digitale Souveränität“ durch die Digitalpolitik und dient als Argument für oder gegen Vorhaben. Dabei wird sie ständig neu- oder umdefiniert. Das ist kein Zufall – denn es handelt sich um ein „Magisches Konzept“, das mehr dem Marketing als wirklichen Inhalten dient. Und gleichzeitig kann es seine nationalistische Souveränitäts-Komponente nicht ablegen. Zeit, sich als Chaosbubble von dem Begriff zu verabschieden.


Als 2015 der BITKOM erstmals von „Digitaler Souveränität“ sprach, beschrieb er damit Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit von Unternehmen und Staaten im digitalen Bereich. Seither hat sich viel getan: Die EU hat kurz danach DigiSouv zu einem Leitbild für die eigene Digitalpolitik erklärt, und in den letzten Jahren konnte der Begriff bisweilen auch als Argument für die Zivilgesellschaft dienen, wünschenswerte Ziele zu unterstützen.

Aber schon Ende der 2010er-Jahre mehrten sich kritische Stimmen: Der Begriff sei beliebig, und selbst die Interpretationen der EU, was damit eigentlich praktisch gemeint ist, widersprachen sich damals bereits in Teilen.

Das ist kein Zufall. In den Politikwissenschaften werden Begriffe wie der der „Digitalen Souveränität“ als „Magische Konzepte“ bezeichnet: Sie vermitteln den Eindruck von Konsens, erlauben aber durch die begriffliche Breite eine ständige Neu- und Uminterpretation. Und gleichzeitig schwingen bei DigiSouv durch die „Souveränität“ stets und unausweichlich die Ideen nationalstaatlicher Abgrenzung, von Grenzziehungen und wirtschaftlichem Protektionismus mit.

Das passt so gar nicht zur Idee des Internet als grenzüberschreitenden Raum, und noch viel weniger zu Utopien, wie wir als kulturübergreifende Gemeinschaft Gemeingüter abseits wirtschaftlicher Ausbeutung schaffen und pflegen wollen.

Als Chaosbubble sollten wir uns von dem Begriff daher grußlos verabschieden – und gemeinsam ausarbeiten, welche konkreten Ziele wir eigentlich jenseits der Souveränitäts-Chiffre definieren und uns wirksam für sie einsetzen können.


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Stefan macht seit Ende der 2000er was mit Open Data und was man dafuer alles braucht. Erst als Langzeitstudi und mit einer Gruppe anderer Leute, die nicht so schnell mit der Uni fertig werden wollten. Dann hat er ausprobiert, ob Wissenstransfer aus der Community in die Verwaltung funktioniert, wenn eine Stadt die Raeume fuer einen Make- und Hackspace bereitstellt. Das hat nicht so gut funktioniert, deswegen ist er von Ulm nach Neu-Ulm ausgewandert. Ausserdem ist er oefter mal in Berlin und macht seit 2022 Policyarbeit bei Wikimedia Deutschland. Seit Ende 2020 wundert er sich immer mehr ueber den Begriff „Digitale Souveraenitaet“ und analysiert ihn seither kritisch.