MRMCD 2026

Als Reiseveranstalter: Grenzen verschieben / überwinden
2026-09-12 , Weltraum - C205
Language: Deutsch

Grenzerfahrungen: als Reiseveranstalter war ich 40 Jahre unterwegs, um neue Reisen zu (er)finden , meist in Aussereuropa und per Bahn und Rad, aber immer wieder auch als Begleiter von Reisegruppen zwecks Qualitätskontrolle .
Es geht in dieser Darstellung nicht um Tourismus im klassischen Sinne, sondern um Grenzen:
bürokratische, sprachliche, moralische, persönliche wie auch unternehmerische.


Aus einem Russisch- Sprachkurs auf der Transsibirischen Eisenbahn heraus gründete ich Lernidee Erlebnisreisen, ein Unternehmen ,das Sonderzüge durch Zentralasien, Afrika und Nahost schickt, als Pionier Schiffe auf dem Mekong in Laos baut und auch Radreisen am Rand der Sahara durchführt. Nicht selten jenseits dessen, was normale Veranstalter für vernünftig halten würden.
Grenzen ignorieren klappte nicht nur manchmal bei Berliner Behörden, sondern auch beim sowjetischen Geheimdienst!
Aber gute Fahrräder, in Israel gekauft, brauchten neun Monate, um das 500 km entfernte Ägypten zu erreichen.
Hingegen an sechs Grenzübergängen in Zentralasien reichte je ein Kasten Bier mehr als gestempelte Anträge.
Extrem korrupte Bahnlogistik in China endete erst, als der zuständige Minister ein Todesurteil kassierte. Schmiergelder habe ich bis 1998 immer wieder mal gezahlt, Es war ja amtlich beim Finanzamt absetzbar als Kosten.
Blockaden gab es auch per verfehlter deutscher Schlafpraxis in Spanien, mit schwulen Löwen auf Safari in Südafrika. Aber mein fehlerhaftes Russisch hatte segensreiche Wirkung- es löste Blockaden.
Ich erzähle von Grenzquerungen per Frechheit , chinesischen Tricksereien und meiner Dummheit,
viel zu schnell viel zu viele Filialen von Barcelona bis Shanghai und Saigon zu eröffnen .
Und von den Folgen für die Reputation, wenn ich 1990 ff als CEO mit dem Rad in Kairo, Saigon oder Irkutsk unterwegs war.
Alles ging 40 Jahre bei bis hundert Mitarbeitenden ganz ohne Terminkalender , ohne Sekretariat und natürlich ohne Dienstwagen.
Dies ist also ein analoger Erfahrungsbericht über Improvisation, Regelwerke, Kontrollverlust,Vertrauen und kulturelle Missverständnisse.
Oft begann Innovation dort, wo jemand sagte „ das geht nicht“ - und dann jemand antwortete „ und wir fahren trotzdem los“.

Geboren 1952 in Haltern/ Westf. Studium der Geographie, Slavistik und Anglistik fürs Lehramt an Gymnasien. Im Referendariat lernte ich , dass ich fürs Beamtentum nicht tauge und gründete eine private Sprachschule . Aus der erwuchs dann der Reiseveranstalter Lernidee Reisen ab 1986- mein Traum, grenzenlos reisen zu können, wurde wahr und brachte gar Wohlstand .