2026-09-13 –, Weltraum - C205 Language: Deutsch
Globale Internetsperren und zunehmende staatliche Kontrolle erschweren den Zugang zu freien Informationen in Ländern wie Iran, Russland und China. Die Deutsche Welle als internationale Medienorganisation begegnet mit der Access App dieser Herausforderung mit Funktionen, die Nutzenden dabei helfen, Zensur zu umgehen und informiert zu bleiben.
Zensur kommt auf vielen Wegen. IP-, CDN- und Port-Blocking, DNS-Spoofing, TLS-Interferenz, Throtteling, DPI oder gleich ein ganzer Internet-Shutdown: Autokraten in aller Welt spielen Katz- und Maus mit Informationsanbietern wie der Deutschen Welle (DW), um ihre Macht zu erhalten. Mit dem gesetzlichen Auftrag, den „freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat“ verständlich zu machen und „den Austausch der Kulturen und Völker zu fördern“, wird die DW zunehmend international herausgefordert. Mittlerweile wird der Online-Auftritt in fünf Ländern dauerhaft für die Bevölkerung vor Ort gesperrt: In China, Iran, Belarus, Russland und Burkina Faso.
Der Internet-Shutdown im Iran dauert nun bereits zwei Monate an und ist damit die schlimmste und langwierigste digitale Menschenrechtsverletzung, die die Welt bisher gesehen hat. Die DW bereitet sich intensiv auf den Tag vor, an dem das Internet wieder da ist, lernt aus der aktuellen Situation und stellt die journalistischen Produkte zensurresilienter auf, denn je.
„DW Access“ ist als Paradebeispiel für Zensurresilienz hervorzuheben. Die App ist von den DW-Entwicklern in einem hauseigenen 48-Stunden-Hackathon im vergangenen Jahr als Prototyp entwickelt worden. Kern der Idee war, eine leichtgewichtige, zensurresiliente App zu bauen, die auch kürzere Shutdowns überbrücken kann.
Der Product Owner Apps, Dominik Krull, hat sein Team anschließend auf die Weiterentwicklung des Prototypen bis zur Marktreife angesetzt. Was zunächst utopisch klang, ist schließlich gelungen: Nach nur acht Monaten konnte die App weltweit in 32 Sprachen gelauncht werden.
Welche technischen Feinheiten und Besonderheiten die App aufweist, welche nächsten Schritte geplant sind und warum es „mehr DW Access“ in großen Betrieben braucht, erzählen euch App-Entwickler Okay Suna und Internet Freedom Specialist Oliver Linow in ihrem Vortrag.
Oliver ist Teil des Teams für IT and Cybersecurity der Deutschen Welle und ist in der Rolle als Internet Freedom Specialist seit über einer Dekade zuständig für die Zensurumgehung im Internet. In internationalen Arbeitsgruppen entwickelt er gemeinsam mit Medienorganisationen Lösungen gegen die zunehmende Fragmentierung des Internets. Zu seinen Aufgaben gehören die Betreuung von Partnerschaften mit VPN-Anbietern, die Umsetzung eines Onion-Services für die DW im Tor-Netzwerk, die Betreuung verschiedener Proxyserver-Lösungen sowie die Mitwirkung an der Entwicklung der neuen DW Access App.